LINE STATES

„A line is for me an event in space, variation with no limitation.“
— Mark Harrington

Wann wird eine Linie mehr als eine Linie?

Nicht als Kontur.
Nicht als Zeichen.
Nicht als Repräsentation.

Sondern als Handlung. Als Spur. Als räumliches Ereignis.

LINE STATES versammelt mit Mark Harrington und Oskar Rahe zwei künstlerische Positionen, die von unterschiedlichen Ausgangspunkten zu einer gemeinsamen Fragestellung gelangen: Die Linie ist hier nicht Mittel der Darstellung, sondern Bedingung des Sehens.

Bei Mark Harrington entsteht sie durch Einschreiben, Freilegen und Überarbeiten. Malerei wird zu einem Prozess fortwährender Transformation, in dem jede Linie eine Entscheidung sichtbar macht und jede Oberfläche ihre eigene Geschichte freilegt.

Oskar Rahe entwickelt die Linie aus dem Material selbst. Seine Arbeiten wachsen aus dem Holz heraus, folgen dessen Fasern, Widerständen und Eigenbewegungen. Die Linie beschreibt keinen Raum – sie erzeugt ihn.

So entsteht ein Dialog, der weniger auf formalen Ähnlichkeiten als auf einer gemeinsamen Auffassung von Skulptur, Malerei und Wahrnehmung basiert. Beide Künstler verstehen die Linie als räumliche Kraft: als etwas, das Orientierung stiftet, Bewegungen lenkt und den Blick choreografiert.

LINE STATES ist keine Gegenüberstellung zweier Werkgruppen, sondern die Untersuchung eines gemeinsamen Denkraums. Die Ausstellung versteht die Linie als Zustand – als Übergang zwischen Material und Geste, Fläche und Körper, Konstruktion und Erfahrung.

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Dr. Petra Giloy-Hirtz eröffnete die Ausstellung mit einer Einführung, die diesen Dialog in einen erweiterten kunsthistorischen Zusammenhang stellte. Ihr Blick auf Wahrnehmung, Prozess und räumliches Denken unterstreicht den kuratorischen Anspruch der Ausstellung: Zwei eigenständige Positionen nicht über Stil oder Generation miteinander zu verbinden, sondern über eine gemeinsame künstlerische Fragestellung.

Mit LINE STATES formuliert PINGRODACH ein Programm, das weniger an Kategorien als an Resonanzen interessiert ist – Ausstellungen als präzise entwickelte Gespräche zwischen Positionen, deren Verbindung erst im gemeinsamen Raum ihre ganze Bedeutung entfaltet.